Opa gib den Lappen ab II

Wer ältere, motorisierte Verkehrsteilnehmer kritisiert, riskiert Verbaliniurien und Schläge mit dem Krückstock. Mindestens aber verbittet man sich Kritik mit Hinweis darauf, daß man „schon seit 57 Jahren den Führerschein…und noch nie einen Unfall…niemals keine Punkte nicht…usw., usw“.
In meinem Beitrag „Opa gib den Lappen an“ hatte ich ja schon gesagt, woran man die insoweit üblichen Verdächtigen schon von weitem erkennt, nämlich am vorzugsweise silberfarbenen Fahrzeug des Typs Golf Plus, Mercedes A-Klasse und Mercedes B-Klasse. Dann heißt es Deckung nehmen!
Gerade eben mal wieder eine Polizeiakte über einen schweren Unfall mit Personenschaden am 17.09.09 im Rodgau auf den Tisch bekommen. Der Fahrer der silbernen B-Klasse vom Jahrgang 1932 wollte links abbiegen und hatte schön erst noch angehalten, wegen Gegenverkehrs. Plötzlich fuhr er los und in den Gegenverkehr hinein. Alle überlebten, mit Glück. Die Fahrerin des vorfahrtsberechtigten Autos sprach den Opa an. Der beschwerte sich sogleich darüber, daß man ihm die Vorfahrt genommen hätte.
Tage Später sollte er von der Polizei vernommen werden. Dazu heißt es im Vermerk: „In einem ersten Gespräch wurde versucht, Herrn X nochmals den dargelegten Sachverhalt des Unfalls zu übermitteln. Dies erwies sich als äusserst schwierig, weil Herr X schwerhörig ist. Nachdem der Lautstärkenpegel deutlich erhöht und die Distanz zu ihm verringert wurde, konnte letztlich eine eingeschränkte Kommunikation stattfinden. Mehrere Versuche, Herrn X vor seinen ersten Angaben entsprechend zu belehren, schlugen fehl. Nach Ansicht des Uz. konnte Herr X der Belehrung nicht nur aufgrund seiner Schwerhörigkeit nur bedingt folgen. Es konnte nicht sichergestellt werden, daß diese verstanden wurde. Aus diesem Grund wurde auf die Durchführung einer ordentlichen Vernehmung durch Uz. verzichtet.“

Das ist leider kein Einzelfall. Schon aus demographischen Gründen wird es zu einem Massenproblem. Hier ist der Gesetzgeber gefordert. Es bedarf Regeleignungsüberprüfungen ab einem bestimmten Lebensalter. Dringend!

2 Gedanken zu „Opa gib den Lappen ab II

  1. Rasti

    Ich besitze zwar (noch) keinen Krückstock, muss aber doch gleich dagegenhalten …

    Einzelfälle, denen Sie in Ihrer Praxis als Jurist sicher öfter begegnen als unsereiner, dafür herzunehmen, um nach einer weiteren Überprüfungsbürokratie (in D wird doch sowieso schon alles doppelt und dreifach überprüft) zu rufen, naja … Mit Einzelfällen lässt sich alles begründen.

    Untersuchungen zum Thema (ich empfehle google) haben gezeigt, dass …
    1. Zwar tatsächlich ab 75 das Unfallrisiko steigt, es aber immer noch unter dem Unfallrisiko der
    18-25-Jährigen liegt.
    2. In den Ländern, in denen bereits heute regelmäßige Überprüfungen von Älteren stattfinden, das Unfallrisiko dieser Gruppe genau so hoch oder niedrig ist wie bei uns.

    Gerade den Punkt 2 finde ich interessant. Was wollen Sie denn konkret überprüfen? Bei einem standardisierten, in der Breite eingesetzten Fahrtüchtigkeitstest können Sie nicht mehr tun, als einige wenige körperliche Parameter, z. B. die Seh- und Hörfähigkeit zu testen. Damit werden Sie aber z. B. die Alzheimerfälle im Anfangsstadium nicht erfassen. Umgekehrt gibt es viele ältere Fahrer, die sich Ihrer nachlassenden Leistungsfähigkeit wohl bewusst sind und deswegen zurückhaltender fahren. Im Ergebnis kostet so ein Test also viel und bringt wenig.

    Flauaus: Das Argument für die MPU bei Alkis und Junkies, von der Statistiker auch behaupten, sie hätte im internationalen Vergleich keinen nachweisbaren Effekt, muß halt auch für die Omis und Opis im Straßenverkehr gelten. Wenn`s nur ein Menschenleben rettet oder eine Querschnittslähmung verhindert, ist`s den Aufwand wert. Und Herrn X erlebt der aufmerksame Verkehrsteilnehmer tagtäglich im Straßenverkehr. Man kommt sich bei Kommentaren wie diesem ja vor, wie bei „des Kaisers neue Kleider“. Macht die Augen auf und achtet auf silberfarbene Golf Plus …

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  2. Klaus

    Ich kann dem Vorgänger nur Recht geben, nach meinen subjektiven Beobachtungen kommt auf eine Verkehrsgefährdung durch einen Opa mindestens drei von Jüngeren vorzugweisen von solchen, die ihre Multitaskingfähigkeiten etwas überschätzen Handy am Ohr, Hamburger in der Hand und noch Cola drinken bei Abbiegen geht nun mal schief.

    Flauaus: hat halt jeder so seine „subjektive Beobachtung“. Solche Beobachtungen kann man m.E. nur machen, wenn man daneben sitzt oder selbst so fährt. Ansonsten sind es Vorurteile über Leute, denen man dergleichen zutraut. Ich habe, obwohl ich auch schon seit 1982 Auto fahre, einen solchen „Multitasker“ noch nie zu Gesicht bekommen und auch nichts davon gehört, daß solches Verhalten zu einem Unfall geführt hätte, was naturgemäß nicht ausschließt, daß es so gewesen ist. Demgegenüber muß man sich schon sehr um „subjektive Beobachtung“ bemühen, um das „fahrende Sicherheitsrisiko mit schneeweißen Haaren“ zu übersehen. Hoffentlich ergeht es den Wegseheren nicht so wie der Frau, über deren Fall ich demnächst berichten werde.

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