FAZ versucht sich im Fall Kachelmann an einer ARD-Kritik – und scheitert!

Die FAZ berichtet am 2.8.10 von Anne Wills Kachelmann-Sendung. Nils Minkmar will die „Diskussions“-Teilnehmerin Alice Schwarzer feiern und faselt etwas vom Ungleichgewicht der juristischen Kräfte, die diese habe herausstellen wollen. Dies sei ihr gelungen, denn sie habe erzählt, der Anwalt der Nebenklägerin (wird beharrlich als „Klägerin“ bezeichnet) habe sie, Schwarzer „bis zu Sendebeginn nicht zurückgerufen“, während „ihr Kachelmanns Anwalt eine freundliche Email mit seiner Mobilfunknummer“ geschrieben habe „und dem Hinweis, er sei für Fragen jederzeit erreichbar“. Das soll ein Beleg für das Ungleichgewicht der  juristischen Kräfte sein. Was bilden sich Schwarzer und Minkmar eigentlich ein? Muß man jetzt jeden Medienfuzzi gleich zurückrufen um nicht als juristisches Leichtgewicht hingestellt zu werden?
An anderer Stelle wird der ehemalige Generalstaatsanwalt der StA Berlin Karge damit zitiert, er würde seiner Tochter wegen der Strapazen des Verfahrens im Falle einer Vergewaltigung nicht zu einer Anzeige raten. Dazu Minkmar: „So krass hat sich selten ein Justizvertreter über den Zustand der deutschen Gerichtsbarkeit geäussert.“ – Echt krass Nils! Wie alt bist du? Vielleicht 12? Der „General“ i.R. hat mitnichten etwas „krasses“ über „den Zustand“ der „deutschen Gerichtsbarkeit“ sagen wollen, sondern ausdrücken wollen, daß womöglich Aussage gegen Aussage steht und Sachbeweise fehlen, was den (vielleicht ja unschuldigen, soll’s geben) Angeklagten und seinen Verteidiger, aber auch das Gericht und die StA zu intensiven Fragen an die Zeugin veranlassen könnte.  Das ist halt so im Rechtsstaat, was daran „krass“ sein soll, erschließt sich nicht.
Völlig wirr wird’s, als sich Minkmar, der „Diskussion“ folgend, nun Israel zuwendet, wo Männer wegen Vergewaltigung verurteilt worden seien, weil sie ihre Frauen über ihre wahre Identität getäuscht hätten. Minkmar: „Das Gericht erkannte solchen durch Betrug (sic!) herbeigeführten Sex als Vergewaltigung. Juristisch wäre das hierzulande nicht möglich, aber moralisch würde es doch passen.“
Man wendet sich mit Grausen ab. Quo vadis FAZ? Dein Niveau befindet sich im freien Sturzflug.
Der Artikel endet übrigens mit weiteren peinlichen Lobhudeleien für Alice Schwarzer. Ihr Gespür für Witz und Timing! Wie Reich-Ranicki! Einfach ekelhaft!

15 Gedanken zu „FAZ versucht sich im Fall Kachelmann an einer ARD-Kritik – und scheitert!

  1. Detlef Burhoff

    Ich habe den Artikel in der FAZ nicht gelesen, aber dafür die Sendung gesehen, und zwar mit „Grausen“. Ich weiß auch gar nicht, woher die ARD diese „Besetzungsliste“ hatte; akzeptabel m.E. Frau Friedrichsen und die beiden Kollegen. Den „General i.R.“ fand ich wenig brauchbar und über Alice Schwarzer decken wir am besten einen ganz großen Mantel des Schweigens. Sie wusste – wie immer – alles besser und erklärt uns den Lauf der Welt; wer nicht ihrer oder anderer Meinung ist, ist böse. Nicht nur das Niveau der FAZ befindet sich im Sturzflug sondern auch das der „Will-Sendung“. Sie „Will“ wohl, aber sie kann es nicht 🙂

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  2. flauaus Beitragsautor

    An diese Sendung habe ich keine gesteigerte Erwartung. Will ist auf Abruf und die Zeiten von Wolfgang Menge et al. vorbei. Die FAZ hatte einen bisher von Geplapper verschont. Wenn sich die Ausfälle häufen, kann man sie nicht mehr lesen, ebensowenig wie Wills Sendung angucken.

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  3. Burschel

    Was die Sendung mit der Will angeht, gebe ich Ihnen völlig recht.

    Könnte es aber sein, dass Sie bei Minkmar/Schwarzer die Minkmarschen Ironiesignale übersehen haben?

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  4. flauaus Beitragsautor

    Lieber Herr Burschel,
    wenn Sie mich so fragen: nein! Aber vielleicht bin ich ja blind für diese Art von subtiler Ironie. Dann bitte ich darum, mir die Augen zu öffnen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Achim Flauaus

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  5. flauaus Beitragsautor

    Lieber Herr Burschel,
    das ist es wohl, was andere an Ihnen schätzten, als Sie noch der Richter Ballmann waren. Ich fand das auch damals schon nicht so toll.
    Mit freundlichen Grüßen
    Achim Flauaus

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  6. H. Suttor

    Falschzitat als edles Anliegen
    In Sachen Minkmar konnte ich leider auch nur journalistische Inkompetenz feststellen.
    Frau Schwarzer hat Frau Friedrichsen nicht nur falsch zitiert, sondern deren Aussage in grotesker Weise sinnentstellt.
    Das Zitat von Frau Friedrichsen in Spiegel Online lautet :
    „Der Fall Kachelmann belegt erneut, dass von einem Prominentenbonus schon längst nicht mehr gesprochen werden darf, eher von einem Malus.
    Für das zu erwartende Strafverfahren lässt das nichts Gutes erwarten, könnte man meinen. Doch in Prozessen, das lehrt die Erfahrung, ist alles möglich. Manchmal sogar ein überfälliges Wunder.“
    (nur der zweite Satz wurde in der Sendung eingeblendet)
    Frau Schwarzer gibt dies mit der Ansage Frau Friedrichsen zu zitieren wie folgt wieder:
    „… hoffentlich passiert ein Wunder und er wird freigesprochen“.
    Es geht hier nicht darum, dass Schwarzer als Journalistin von Zitat redet, aber allenfalls eine sinngemäße Wiedergabe liefert. Insofern ginge es lediglich um einen zwar bemerkenswerten, aber für die Auseinandersetzung in der Sache nachrangigen, handwerklichen Schnitzer. Was sie aber liefert ist etwas anderes: Ein groteske Verkehrung der Aussage von Frau Friedrichsen und implizit einer Diffamierung ihrer (beruflichen) Person.

    Die Aussage von Frau Friedrichsen unter Berücksichtigung des Kontext ist: Kachelmann möge in einem Prozess wie jeder andere, also ohne Bonus und Malus behandelt werden.
    Die Unterstellung, die Gerichtsreporterin des Spiegel habe mit dem „überfälligen Wunder“ ein bestimmten Ausgang des Verfahrens gemeint impliziert, dass Frau Friedrichsen sich nicht nur in hohem Maße unprofessionell, sondern geradezu wie eine Vollidiotin verhalten hätte. Eine Gerichtsreporterin, die vor Verfahrensbeginn einen bestimmten Ausgang des Verfahrens als Wunsch formuliert, wäre erledigt, sollte es jedenfalls sein.
    Unprofessionell war auch das Verhalten von Frau Will: Statt Frau Schwarzer mit ihrem offensichtlichen Falsch-Zitat zu konfrontieren, fragt sie Frau Friedrichsen, wie sie das mit dem „überfälligen Wunder“ denn nun gemeint habe. Hätte sie nicht nur den letzten Satz aus dem Artikel in Spiegel-Online als Zitat eingeblendet, sondern auch den Satz davor, dann wäre der Kontext völlig klar geworden und es wäre an Frau Schwarzer die Frage zu richten gewesen, wie sie zu einer derartigen Entstellung der Aussage von Frau Friedrichsen kommt.
    In Sachen Minkmar kann ich keine Ironie feststellen, sondern nur journalistische Inkompetenz und Oberflächlichkeit.
    Dass er (unter der Zwischenüberschrift „Schwarzers Gespür für Witz und Timing“) suggeriert, Friedrichsens Zitat sei unter Umständen auch i.S. von Frau Schwarzer zu interpretieren (man muss doch erwarten dürfen, dass er den eingeblendeten Satz im Kontext interpretiert oder leidet er an Leseschwäche) und den Versuch unternimmt das fulminante Eigentor der Feministin als einen Punkt für sie zu verkaufen, zeigt, dass sein Reflektionshorizont in diesem Fall nicht über das Niveau eines durchschnittlichen Fernsehzuschauers hinauskommt, der sich von rhetorischen Finessen leicht beindrucken lässt. Auf diesen spekuliert Frau Schwarzer nämlich mit ihrem Versuch ( „Sie sind schon ein dreister Vogel!“) den Vorwurf des Falsch-Zitats trotz entgegengesetzter Faktenlage auf Frau Friedrichsen abzuwälzen. Ziemlich peinlich wird es, wenn die Tricksereien ( Minkmar: „edle Anliegen“ ) der Frau Schwarzer in die Tradition Marcel Reich-Ranickis gestellt werden. Vermutlich würde der Literaturkritiker hier – wieder einmal – mit einer barschen Zurückweisung reagieren.
    Die journalistische Fehlleistung Minkmars ist höher zu bewerten als diejenige von Frau Will. Er hat schließlich etwas mehr Zeit zur Überlegung und Recherche. Man kann nicht immer erwarten, dass rhetorische Bluff-Taktiken in Talk-Shows unmittelbar transparent gemacht werden. Von Zeitungsbeiträgen danach muss man dies allerdings, zumal dann, wenn dies in der Talk-Show schon zur Hälfte geleistet wurde.

    Helmut Suttor

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  7. Nils Minkmar

    Lieber Herr Flauaus,
    Sie mögen schreiben, was Sie wollen und ich schreibe ganz gewiss, was und wie ich will. Aber ich möchte einfach nicht von ihnen geduzt werden, auch nicht zum Spaß. Ich bin nicht ihr lieber Nils, wir kennen uns nicht – und das wird so bleiben.
    Sie machen das einfach nicht mehr, ok?

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  8. flauaus Beitragsautor

    Sehr geehrter Herr Dr. Minkmar,
    dass ich Sie geduzt habe, wird nicht wieder vorkommen. Dass es nichts anderes gab, was Sie zu einem Kommentar veranlasst hat, hat mich zwar überrascht; aber unabhängig davon hatte ich ohnedies nicht die Absicht, Sie zukünftig noch einmal zu duzen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Achim Flauaus

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  9. H. Suttor

    Hallo,

    der Eindruck bestätigt sich, Herr Minkmar orientiert sich eher an formalen als an inhaltlichen Fragen.

    H.Suttor

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  10. flauaus Beitragsautor

    Am 8.11.10 schrieb mir Herr Dr. Nils Minkmar zu meinem Artikel vom 13.10.10, mit dem ich auf den Strafverteidigertag 2011 hingewiesen hatte, von seiner FAZ-Emailadresse folgenden Kommentar: „Damit ist natürlich nicht unser RA Flauaus gemeint, der hellste Kopf des deutschen Rechtswesens.“ Was mag in diesem Mann vorgehen?

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  11. Pingback: Jörg Kachelmann und das Chaos – Chronik | Ritaevaneeser's Blog

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